Die Geschichte der Schauspielschule

Der Gründer: Prof. Dr. David Esrig

David Esrig ist ein international bekannter, deutsch-rumänischer Regisseur. Viele seiner Inszenierungen sind bis heute legendär, etwa „Rameaus Neffe“ (Diderot), „Troilus und Cressida“ (Shakespeare), „Doktor Faustus“ (Marlowe) oder „Nachtasyl“ (Gorki). Als unter der Ceausescu-Diktatur zwei seiner Aufführungen verboten werden – Becketts „Warten auf Godot“ und Shakespeares „Der Sturm“ -, verlässt er das Land und geht nach Paris. Immer neugierig und inspiriert vom kulturellen Aufbruch der 68er, experimentiert er dort mit nicht-klassischen Theaterformen wie dem Jahrmarktstheater (am Théâtre national de Chaillot, Paris). Seine große Liebe ist die Commedia dell‘Arte; Esrig gilt als einer der wenigen Kenner dieses berühmten italienischen Stegreiftheaters. Witz, Humor und ein ausgeprägter Sinn für stilistisches Spiel prägen denn auch seine Art zu inszenieren. Eine weitere Fundgrube findet er in der Theatertheorie der klassischen Moderne: vor allem bei Antonin Artaud und den Surrealisten mit ihrer leidenschaftlichen Suche nach den Quellen der Kreativität und der Intuition.

In Deutschland – seit 1975 besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft – hat David Esrig sowohl an großen Häusern (Bremen, Essen, München, Bonn, Bern) wie als freier Regisseur gewirkt. Im Mittelpunkt seiner Inszenierungen stand und steht der Schauspieler. Esrig konzentriert sich auf die individuelle Gestaltung der Figuren und die atmosphärisch dichte, häufig multimediale Inszenierung. Theater ist für ihn ein Labor existenzieller Forschung.

Seit 1995 gibt der charismatische und begeisternde Regisseur sein Können im Rahmen der Akademie an junge Schauspieler/innen und Regisseur/innen weiter. David Esrig hat sich in Bukarest (1969) und München (1978) habilitiert; dazu kommen mehrere Ehrendoktorwürden und eine Ehrenprofessur an der Theater- und Film-Universität Bukarest (1991). Er ist Ehrenbürger der Stadt Bukarest.

Studium:
Regie an der Theater und Filmuniversität Bukarest, Diplom (1958),Promotion (1967), Habilitation (1969), akademischer Grad eines Dr. phil. habil. an der Universität München (1978).

Pädagogische Tätigkeit:
An der Theater- und Filmuniversität Bukarest, an den Universitäten München und Essen. Ernennung zum Professor ehrenhalber der Theater- und Filmuniversität Bukarest (1991).

 Inszenierungen, u.a.:                                                                                                 “Der Schatten” ( J. Schwartz), “Troilus und Cressi-da” (Shakespeare), “Rameaus Neffe” (Diderot), “Warten auf Godot” (Beckett), die Aufführung wurde in Bukarest verboten, “Der Sturm” (Shakespeare), ebenfalls verboten, Spielfilm “Pourquoi?” nach eigenem Buch im Bukarester Filmstudio (der Film wurde verboten), “Dreigroschenoper” (Brecht), “Ein wahrer Held” (J. M. Synge), “Die Spaße des Scapin” (Moliere), “Wie es Euch gefällt” (Shakespeare), “Dr. Faustus” (Marlowe), “Mandragola” (Macchiavelli), “Nachtasyl” (Gorki), “Hamlet” (Shakespeare), “Brief über die Blinden” (Diderot), “Die Schule der Freier” (nach Orlando di Lasso), “Der Golem”, eine multimediale Aufführung; versch. Fernsehsendungen, darunter: “Die rumänische Passion – Ein Jahr nach der Revolution” (Kulturdokumentation, ARD/1990).

Gastinszenierungen:
in Bonn, Haifa, Köln, München, Paris, Tel Aviv, Essen u.a.

Preise:
Preis des “Theätre des Nations” 1965, Preis der französischen Kritik für die beste ausländische Inszenierung 1964/65 (zusammen mit Zeffirelli), Preis des BITEF-Festivals 1967 in Belgrad (zusammen mit J. Gro-towski und O. Krejca), Preis für die Erneuerungen alter Theatertraditionen (BITEF-Belgrad 1973).

Publikationen:
“Tabarin”, Paris (Plasme) 1980, “Commedia dell’ arte, Eine Bildgeschichte der Kunst des Spektakels”, Nördlingen (Greno) 1985.

Administrative Tätigkeit:
Schauspieldirektor am Nationaltheater Bukarest, am Stadttheater Bern, künstlerische Gesamtleitung des Stadttheaters Essen. Leitung des Athanor e.V. zur Förderung der Kunst des Theaters, München, Leitung der Fortbildungsstätte für Berufsschauspieler, München. Ehren-Präsident des Europäischen Schul-Theater-Festivals.

Aus einem Interview mit Prof. Dr. David Esrig:
„Pädagogisch will ich die Schauspieler darauf vorbereiten, dass sie selber dieses Magma, das den Spielduktus bildet, strukturieren können, und zwar auch unter Regisseuren, die rein intuitiv oder rein intellektuell arbeiten. Ich begann immer mehr in mir und in der Arbeit mit dem Schauspieler zu suchen: diese Unterschiede – wo ist die Grenze? – zwischen etwas, das mich enttäuscht, das nach Blech klingt, und etwas, was plötzlich vor mir poetisch explodiert und mir eine Menge sagt. Und dann merkte ich: eigentlich interessierten mich die Vorgänge, die eine echte Handlung bilden, und diejenigen, wo man so tat, als ob man etwas tut, waren enttäuschend.“

Gründungsidee der Schauspielschule

Nach Jahren in leitenden Funktionen und als Regisseur an Staats- und Stadttheatern und als Hochschullehrer beschloss Prof. Dr. David Esrig, nachdem er mit dem Stand und der Praxis des Theaters unzufrieden war, eine exklusive Ausbildungsstätte und ein Labor für neue Formen existenziellen Spiels zu gründen.

1994 Eröffnung der neuen Schauspielschule

Das von David Esrig erarbeitete inhaltliche und organisatorische Konzept der Athanor-Akademie wurde Anfang 1994 vom Bayerischen Unterrichtsministerium genehmigt. Träger der Schule wurde der Verein Athanor zur Förderung der Kunst des Theaters. Das Jahr 1994 diente der organisatorischen und inhaltlichen Vorbereitung des Schulstarts. Im Februar 1995 wurde die neue exklusive Schule eröffnet.

1996 Staatlich anerkannte Fachakademie

Gründungsstandort war Burghausen, zunächst das Mautnerschloss und ab Februar 1996 der eigens für die Athanorakademie umgebaute ehemalige Haberkasten auf der historischen Burg. Nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit erhielt die Schule den Status einer privaten, staatlich anerkannten Fachakademie.

2015 Umzug nach Passau

Seiner internationalen Ausprägung gemäß suchte und fand die erfolgreiche Akademie ein noch geeigneteres Haus in einem urbaneren und kulturell vernetzten Umfeld: seit Herbst 2015 befindet sie sich nun in der Universitätsstadt Passau. Sie bietet dort in noch mehr und größeren Räumen mit ihren 25 internationalen und erfahrenen Dozent/innen eine zeitgemäße Ausbildung und ein Labor für neue Formen des darstellerischen und performativen Ausdrucks. In den letzten Jahren sind die Studierenden der Akademie zum Berliner Theatertreffen und zu Festivals wie “Radikal Jung” eingeladen worden, wurden Ensemblemitglieder oder spielten die Hauptrollen in Kinofilmen. Unsere Dozent/innen sind preisgekörnte junge Filmemacher, gewannen als HBO-Serienregisseurinnen und als Filmschauspieler 2019 Grimme-Preise.

Zahlreiche Aufführungen

Von Beginn an wurden die von den Schülern im Rollenunterricht erarbeiteten Szenen und Filme sowie die ersten Inszenierungsübungen der Regiestudierenden auch öffentlich gezeigt – in der Aula der Akademie auf der Burg und in neu entdeckten Spielstätten in und außerhalb der Akademie (Musikschule, Kloster Raitenhaslach, Autowerkstatt „Freundlhalle“ und etc.).

Erfolge und Kooperationen

Im Laufe der dreißig Burghausener Jahre wurden insgesamt über 1.800 öffentliche Aufführungen erarbeitet und präsentiert: Inszenierungen, Filme, szenische Collagen, Lesungen, Gesangsabende, offene Proben und vieles mehr. Gäste waren Theatergrößen wie Ivan Nagel, Rudolf Noelte, Dieter Dorn, Roberto Ciulli, Hellmuth Matiasek etc. Schüler waren u.a. David Bösch, Daniel Christensen, Manuel Harder oder Karen Breece. Am Salzburger Landestheater inszenierte David Esrig, unter Beteiligung mehrerer Schüler unseres Gründerjahrgangs, Shakespeares „Romeo und Julia“. Kooperiert wurde mit der Königlichen Schauspielschule in Glasgow sowie mit der Theaterakademie in Limoges.