Erasmus-Tagebuch
von Elisabeth Carolina Nekola
Erasmusaufenthalt am Tiroler Landestheater in Innsbruck

Tanzen war schon immer ein zentraler Bestandteil meines Lebens. Bereits im Alter von fünf Jahren begann ich mit meiner klassischen Ballettausbildung, die den Grundstein für meine Leidenschaft legte. Im Laufe der Jahre erweiterte ich mein Repertoire und entdeckte zahlreiche Tanzstile für mich: Jazzdance, Stepptanz, Flamenco und Contemporary Dance.
Während meiner Schauspielausbildung an der Athanor Akademie hatte ich die besondere Gelegenheit, mit der beeindruckenden und inspirierenden Choreografin Edith Buttingsrud-Pedersen zu arbeiten. Gemeinsam mit meinem Jahrgang erarbeiteten wir unter ihrer Leitung eine faszinierende zeitgenössische Tanzperformance.
Als sich nach meinem Abschluss die Möglichkeit bot, ein Erasmus+-Programm zu absolvieren, wandte ich mich an Edith, um nach Kontakten oder Projekten zu fragen, die mir erlauben würden, in einer Tanzproduktion mitzuwirken. Mein Ziel war es, meinen Horizont zu erweitern und noch tiefer in die Welt des Tanzes einzutauchen. Edith empfahl mir Caroline Finn, eine renommierte und überaus kreative Choreografin. Zu meiner großen Freude bot mir Caroline die Möglichkeit, an ihrer Produktion The Room am Tiroler Landestheater in Innsbruck als choreografische Assistenz mitzuwirken.
Ende Oktober 2024 begann für mich ein neues Kapitel: Ich verabschiedete mich nach 4 Jahren von Passau und zog nach Innsbruck.
Die Wohnungssuche vor Ort erwies sich als herausfordernd, da es wenig freien und bezahlbaren Wohnraum in Innsbruck gibt und viele WGs leider, aber auch verständlicherweise, mich nicht für einen derart kurzen Zeitraum aufnehmen wollten. Das Theater konnte mir leider auch keine Theaterwohnung zur Verfügung stellen.
Glücklicherweise vermittelte man mir den Kontakt einer älteren Dame, die früher als Opernsängerin am Haus tätig war. Sie wohnt in der Nähe des Tiroler Landestheater und bot mir ein Gästezimmer an, das ich für die sechs Wochen nutzen darf.
Zu meiner großen Erleichterung durfte ich sogar meinen Kater, Nils Holgersson, mitbringen.
Es ist eine sehr interessante Erfahrung mit einer derart präsenten Mitbewohnerin zu leben. Sie erzählt mir viele Anekdote aus ihrer Zeit als Sängerin, wobei sie sich eher zurückhält, mehr über meine Person zu erfahren. Hier kommt mir meine Fähigkeit eine gute Zuhörerin zu sein, sehr gelegen. Ein wenig fühlt es sich an eine lebendige Kommentatorin meines Alltags zu haben. Dieser Rolle geht sie mit Leidenschaft und Hingabe nach.
Die Arbeit am Theater

In dieser Produktion legt Caroline, wie in vielen ihren Stücken, den Fokus auf das Zwischenmenschliche und auf die feinen Nuancen menschlicher Konflikte sowie auf das Unausgesprochene, was oft mehr aussagt. Der Regisseur Peter Greenaway und der Theaterautor Harold Pinter waren eine große Inspiration für dieses Stück. Ihre Universen sind sehr unterschiedlich, aber auf ihre Art auch absurd.
Die ersten Tage der Proben galt es für die Tänzer:innen, mit dem von Caroline mitgebrachten choreografischen Material, spielerisch umzugehen und dieses auch aufzubrechen oder sogar zu “zerstören”. Die Darstellenden bekamen auch Zettel mit Charakterbeschreibungen, zu denen sie eine “Choreografie” entwickeln sollten, wobei es Caroline eher darauf ankam zu sehen, wie die Tänzer:innen “Need, Public Persona, Tragic Flaws” tänzerisch umsetzen.

Bei dieser Übung durfte ich ebenfalls mitmachen, was mir eine große Freude und Ehre war vor all diesen talentierten Künstler:innen mein Material zu präsentieren. Zu all dem wurde ich dann auch noch für meine gute Technik und mein künstlerisches Talent gelobt- da habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind!
