Erasmus-Tagebuch
von Caroline Bröker
Erasmus in Bregenz am Vorarlberger Landestheater als Regieassistentin von TOXIC. Britney über Spears von Daniela Egger, Regie: Agnes Kitzler
„Also ich fang jetzt mal von vorne an“
(Zitat aus dem Stück)
Ich habe mich sehr gefreut nach meinem Erasmus-Aufenthalt während meines ersten Studiums nun ein zweites Mal einen Erasmus-Aufenthalt machen zu können. Dieses Mal wollte ich nach Österreich, da mir die dortige Theaterlandschaft sehr gut gefällt und ich mir die Chance neue Erfahrungen an einem professionellen Theaterbetrieb zu sammeln nicht entgehen lassen wollte.
Ich sah Österreich als gute Möglichkeit an mich künstlerisch an einem deutschsprachigen Theater weiterzuentwickeln. Auch in Vorarlberg konnte ich, das ein oder andere neue Wort dazulernen, wie „ghörig“ für „anständig“.
Ich habe dann Kontakt mit dem Vorarlberger Landestheater aufgenommen und bekam die Möglichkeit als Regieassistentin bei TOXIC, ein neues Stück von Daniela Egger, dabei zu sein. Ich habe mich dafür bereits im Mai mit der Dramaturgin in Bregenz zum Kennenlernen getroffen. Ich habe mich direkt sehr wohl gefühlt und wir hatten ein nettes Gespräch.
Mit einem großen Koffer, zwei Taschen plus Rucksack ging es Anfang November mit dem Zug nach Bregenz. Da ich auch die ein oder andere Sache gekauft habe, wundert es mich nicht, dass bei der Rückreise plötzlich zwei Taschen mehr zu transportieren waren. Der Zug war super pünktlich und bei der Ankunft begrüßte mich der Bodensee! Das war sehr schön so begrüßt zu werden! Meine Unterkunft, zentral gelegen, war nur wenige Minuten vom Theater entfernt. Die Wohnung war sehr gemütlich und hatte sogar eine große Dachterrasse. Gut, im Winter war es dann oftmals zu kalt, aber ich saß trotzdem ab und zu draußen. Ich habe mich nach der Ankunft einfach nur noch gefreut, dass es am nächsten Tag dann endlich los geht.
Am Montag, den 04. November hatten wir dann unsere Konzeptionsprobe. Bis Anfang Dezember haben wir in einem Proberaum, etwa 15 Minuten vom Zentrum entfernt, geprobt. Bei der Konzeptionsprobe haben wir uns kennengelernt und uns über Britney Spears und unseren persönlichen Bezug zu ihr ausgetauscht. Anschließend haben wir gemeinsam das Stück gelesen. Ich habe zur Vorbereitung auf die Inszenierung verschiedene Dokumentationen über Britney geschaut und ihre Autobiographie „The woman in me“ gelesen. Ich fand es total erschreckend und belastend zu erfahren, was sie alles durchmachen musste und wie sehr sie als „Geldmaschine“ ausgenutzt wurde. 13 Jahre unter der Vormundschaft ihres Vaters wurde sie erniedrigt und gedemütigt, bis sie 2021 endlich frei war. Natürlich spielt diese Thematik in dem Stück eine große Rolle, nicht zuletzt auch ihre Beziehungen mit Justin Timberlake, Kevin Federline und Sam Asghari. Britneys Hits kamen dabei natürlich auch nicht zu kurz und wurden musikalisch in ihre Geschichte eingebettet. Der erste Tag war sehr schön und ich wurde super von allen aufgenommen.
Kurzer Zwischeneinschub








Bregenz - einfach, um einmal einen kurzen Eindruck zu bekommen
ESSEN
Essens- und Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Bregenz auch genügend, nicht so viel Auswahl wie in einer Großstadt, aber für mich mehr als ausreichend. Ich war oft im Spar einkaufen, manchmal auch im Lidl, wo es auch alles zu kaufen gibt, was man so braucht. Mein Stammlokal zum Essen war das Cigköftem, ein veganes und vegetarisches Lokal mit Cigköfte, Wraps, Burrito, Lahmacun etc.
Abgesehen davon kann man noch lecker bei Poseidon (Griechisches Restaurant), Manga (Asia Gourmet) und traditionell im Goldenen Hirschen oder im Wirtshaus am See essen. Außerdem hatte ich das Glück, dass ich zu der Weihnachtszeit da war, so konnte ich mich natürlich auch auf dem Weihnachtsmarkt verpflegen. Ein nettes Café zum Empfehlen ist außerdem das Bahi. Meine Stammbäckereien waren Mangold und Ciabatta. Dort gibt es leckeren Kaffee, Süßes und belegte Brötchen für lange Probentage.
SHOPPEN
Neben den herkömmlichen Geschäften gibt es in Bregenz auch ein paar kleine Läden, die mir sehr gut zum Stöbern und Shoppen gefallen haben. Zum Beispiel „fesch livin“ ein Conceptstore auf der Kirchstraße mit Deko- und Fashionartikeln. Der Bierladen „Hops und Malt“ ist eine Empfehlung fürBierliebhaber. Und wenn man gerne Vintage shoppen geht, dann gibt es in Bregenz auch einen tollen Vintage Laden: „Carla Vintage Store“.
KULTUR
Das Vorarlberger Landestheater gehört zu dem Zusammenschluss der Vorarlberger Kulturhäuser mit dem „vorarlberg museum“ und dem „Kunsthaus Bregenz“, welche beide sehr sehenswert sind. Auch gibt es neben dem Vorarlberger Landestheater noch das Kosmos Theater, wo ich die Premiere von „Sonny boys“ besucht habe. Natürlich war ich auch des Öfteren im Landestheater. Angeschaut habe ich mir die Stücke: „Fräulein Julie“, „Aus seinem Leben“, „The Perfect Moment“, „Bitch Boxer“ und „Emil und die Detektive“. Es war total spannend und toll, dass ich in den 1 ½ Monaten so viel wie möglich sehen konnte. So konnte ich das Kulturangebot in Bregenz voll und ganz ausnutzen. Nicht zu vergessen ist Bregenz vor allem bekannt für seine Festspiele im Sommer, welche ich im Winter natürlich nicht besuchen konnte. Aber zumindest habe ich mir die Seebühne angeschaut.
BREGENZ & AUSFLUGSZIELE
Bregenz liegt super schön direkt am Bodensee. Ich bin oft am See entlanggegangen und habe es einfach genossen in die Ferne zu starren und zu versuchen, die gegenüber liegenden Städte zu erkennen. Ich hatte das Glück, dass ich auch ein verschneites Bregenz mal bestaunen durfte.
Der Pfänder ist der Bregenzer Hausberg, welcher einem eine wunderbare Aussicht über die Region und den Bodensee bietet. Wenn die Pfänder-Bahn nicht fährt oder man eine etwas kleinere Tour machen möchte, hat man auf dem Gebhardsberg mit der Burgruine Hohenbregenz auch eine tolle Sicht! Auf dem Weg dahin kann man sich auch noch die Vorarlberger Landesbibliothek anschauen.
Die historische Oberstadt in Bregenz mit dem Martinsturm und dem Deuringschlössle sollte man sich auf einer Entdeckungstour auch nicht entgehen lassen. Spannend fand ich ebenso, dass in Bregenz in der Kirchstraße das schmalste Haus Europas steht.
Liechtenstein mit der Hauptstadt Vaduz ist nicht weit entfernt für einen Tagestrip oder auch St. Gallen in der Schweiz kann man gut erreichen. Ich habe auch von vielen gehört, dass die kleine Stadt Feldkirch in Vorarlberg einen Besuch wert ist.
Die oben genannten Empfehlungen und Erlebnisse beziehen sich auf 1 ½ Monate Bregenz-Aufenthalt. Also nicht perfekt vollständig, also das was man eben in 1 ½ Monaten so erleben kann.
So weiter geht’s mit den Proben
PROBEN AUF DER PROBEBÜHNE 04.11.2024 - 03.12.2024
Während den Proben auf der Probebühne war ich zuständig für verschiedene organisatorische Aufgaben.
- Ich habe mich um die Probenpläne gekümmert und diese täglich verschickt.
- Ich habe an wöchentlichen Dispositzungen teilgenommen, wo die Wochenplanungen besprochen wurden.
- Ich habe das Regiebuch geführt und dementsprechend auch die aktuellen Probenstände immer notiert und schriftlich festgehalten.
- Ich habe während der Proben souffliert und regelmäßig die Textfassung bearbeitet.
- Ich habe zusätzlich auch noch andere kleine Aufgaben übernommen und assistiert.
Mir hat die Arbeit sehr viel Freude bereitet und ich wurde auch von allen super lieb aufgenommen! Auf der Probebühne haben wir uns zunächst mit dem Text auseinandergesetzt und Meinungen und Eindrücke geschildert. Inhaltliche Fragen wurden geklärt und jeder/jede von uns hat sich seit Beginn tagtäglich mit Britney Spears beschäftigt. Wir haben uns viele Lieder, Konzerte, Dokus, Interviews angesehen und vieles sowohl szenisch als auch musikalisch auf der Bühne ausprobiert. Wir fingen auch schnell an die Proben aufzuteilen, indem wir morgens/mittags meistens szenisch geprobt haben und nachmittags musikalisch. Im Laufe der Probenzeit wurde dann natürlich geprobt und ausprobiert, was noch Bedarf hatte. Da wir ein Bühnenbild haben, das auch Stangen beinhaltet, haben wir beschlossen einen Pole-Dance Workshop als Team zu besuchen. Der Workshop war auch gleichzeitig unser Bergfest. Der Workshop diente natürlich hauptsächlich den Schauspieler:innen, um sich mit ein paar Figurenelementen vertraut zu machen. Aber auch wir als Team hatten Spaß daran, die Sportart mal auszuprobieren. Ich habe auf jeden Fall etwas Neues dazugelernt! Zwischendurch gab es während der Probenzeit auch einen Probenbesuch, wo sich Schülerinnen einen kleinen Eindruck von derInszenierung und dem Stück machen konnten. Das Interesse an der Geschichte von Britney Spears ist für Schüler:innen sehr groß, deswegen gibt es auch sehr viele Schulvorstellungen.
SONSTIGES
Abgesehen von meinem Job als Regieassistentin, durfte ich auch ein paar Sätze für die Audioeinführung von Fräulein Julie einsprechen.
Und was mir besonders viel Spaß gemacht hat: Ich hatte die Ehre an zwei Tagen für 15 Minuten, auf dem Weihnachtsmarkt in Bregenz, Geschichten von Kindern für Kinder oder auch Erwachsene vorzulesen. Die Geschichten waren zuckersüß und auch lustig. Es hat richtig viel Spaß gemacht, diese schön zu untermalen. Das würde ich immer wieder gerne machen!




ENDPROBEN IN DER BOX (BÜHNE) 04.12.2024 - 14.12.2024
Am 04.12.2024 sind wir von der Probebühne in die Box gezogen, die kleine Bühne des Vorarlberger Landestheaters. Als allererstes wurde die Bühne aufgebaut und statt des provisorischen Probenbühnenbildes, konnten wir nun das erste Mal mit den originalem Bühnenbild proben. So musste man erstmal den Raum neu auf sich wirken lassen und alle Bühnenelemente inspizieren und schauen inwiefern sich vielleicht Handlungen ändern oder ob alles so funktioniert, wie zuvor geprobt.
10 Tage hatten wir nun Zeit bis zur Premiere, um die Inszenierung zu perfektionieren. Dann haben wir noch Audioaufnahmen gemacht, wo ich auch die Moderatorin einsprechen durfte. So bin ich, auch wenn ich nicht mehr bei den Vorstellungen dabei bin, trotzdem irgendwie anwesend. Am aufwendigsten war es natürlich jetzt das Licht dem Spiel perfekt und kreativ anzupassen. Die Nachmittage bestanden so aus Beleuchtungsproben. Hier war es wichtig und gut, dass ich alle Aktionen und Wege der zwei Schauspieler:innen genaustens notiert habe. So wussten wir, wo wir Licht brauchen und wo nicht. Wir tauschten uns mit den Technikern aus, so dass das Gesamtkunstwerk für alle funktioniert. Die Beleuchtungsproben waren auch irgendwie spaßig, weil ich dann auch mal als Lichtdouble ein bisschen auf der Bühne herumspazieren konnte. Später wurden dann noch die Musikstücke und die Toneinspielungen mit dem Licht synchronisiert und während und nach den Durchläufen verbessert und angepasst.
Wir, das Team Britney, waren nach anstrengenden und sehr intensiven Tagen alle sehr stolz und erleichtert, dass alles super geklappt hat! Das Premierenpublikum hat gar nicht mehr aufgehört zu applaudieren. Das war ein sehr schönes Gefühl. Ich bin mehr als dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Ich habe vor allem gelernt, wie es ist von außen, also hinter der Bühne auf eine Inszenierung zu schauen und die Proben zu begleiten. Ich habe das Gefühl die Regiesparte mehr verstanden zu haben und konnte auch aus schauspielerischer Sicht durchs Zuschauen und Mitdenken viel Lernen. Allerdings muss ich sagen, dass ich sogar nervöser war im Publikum zu sitzen, als wenn ich selbst spielen würde, weil man ja dann die Kontrolle komplett abgibt und darauf vertrauen muss, dass schon alles super wird. Es war dann auch gottseidank so!
Auf der Premierenfeier fiel dann die ganze Anspannung ab und die Freude über die Inszenierung und die schöne Zeit, die wir gemeinsam hatten, überwog. Aber ich war auch traurig, dass ich jetzt wieder fahren musste. Das wird nicht das letzte Mal sein, dass ich in Bregenz bin. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen: Also bis bald Bregenz, hat mich mehr als gefreut!!

Und ich bin dankbar für all die tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte und für alles was ich durch den Erasmus-Aufenthalt lernen durfte. Ich habe jetzt auf jeden Fall ein gutes Gespür für den Beruf einer Regieassistentin bekommen, alle meine Erwartungen und Lernziele wurden erfüllt! Danke!
