Erasmus-Tagebuch

von Lea Karolina Brunner

Abenteuer Trondheim: Von Startschwierigkeiten, Ritualen und kaltem Meer

Mein erster zweiwöchiger Aufenthalt in Trondheim, Norwegen, beginnt leider erst mal mit Nervenzusammenbrüchen, Nasenbluten und Angst vor der Ferne. Es ist mein erstes Mal alleine fliegen und wie sich gleich herausstellt habe ich meine Flugangst extrem unterschätzt. Als ich nach zwei Stunden völlig verirrt rumlaufen endlich meinen Koffer abgegeben und ein Flugticket habe, sitze ich am Gate und warte aufs Boarding. Im Bus zum Flugzeug fängt dann meine Nase heftig an zu bluten und so sitze ich dann blutend, weinend und ängstlich auf meinem Platz am Fenster und warte bis das Flugzeug abhebt und das Schlimmste (der Start) überstanden ist. Nach einer kurzen Pause und Flugzeugwechsel in Oslo, komme ich um halb elf nachts in Trondheim an.

Angekommen & Empfangen: Ein warmes Willkommen

Ich kann in den nächsten zwei Wochen mit Edith (Contemporary Dance Teacher an der Athanor) in der Wohnung von unserer Choreografin Marie Rechsteiner wohnen.

Der nächste Tag beginnt mit leckerem Kaffee und einem Spaziergang zum Tanzstudio, in dem wir die erste Woche proben werden. Ich bin sehr nervös, die anderen Tänzerinnen und Marie kennenzulernen und dementsprechend froh und dankbar, dass ich mit Edith zusammen in Norwegen bin. Wie ich schnell merke, hatte ich wenig Grund so aufgeregt zu sein: Marie und die ganze Gruppe sind unfassbar lieb und ich fühle mich gleich sehr wohl unter Künstlerinnen zu sein. Marie ist eine norwegische Tänzerin und Choreografin, die unser Projekt leitet und auch selbst tanzen wird. Die anderen Performer*innen sind Edith, Sarah, Nina und Ken und die Musikerin Heida, die das Stück mit Live Musik begleiten wird.

Kult, Glauben und Sekten: Das Thema unseres Stücks

Bevor ich nach Norwegen geflogen bin, habe ich mehrmals mit Marie telefoniert und über die Themen des Stückes gesprochen. Wir beschäftigen uns mit Sekten, Ritualen, Glaubenssystemen und Religionen und fragen uns warum es solche gibt, ob man sie braucht und was „after the last prayer“ passiert. Diese und mehr Fragen werden uns bei den Proben immer beschäftigen.

Nach einer kleinen Vorstellungsrunde geht es gleich los: Wir recherchieren, wie man in fünf Schritten einen Kult erschaffen kann, empfehlen uns gegenseitig Dokumentationen über verschiedene Sekten. Wir merken auch schnell, dass wir alle sehr unterschiedliche Meinungen zu Religionen und „Believing“ allgemein haben.

Core Values & gemeinsame Aufwärmrituale

Wir einigen uns außerdem auf unsere „Core Values“ als Gruppe: radical loving, listening, connected autonomy, P&P (play and process).Nach diesem eher theoretischem Teil unserer Stückrecherche, packt uns die Bewegungslust. Wir beginnen damit uns ein Warm Up Ritual zu überlegen. Jede*r von uns schlägt ein paar Aufwärmübungen und ein Lied vor und am Schluss entsteht eine Playlist und ein Ablauf der Übungen. Dieses Ritual werden wir ab jetzt jeden Tag gleich Morgens gemeinsam machen.

Mitten im Geschehen: Choreografische Assistenz auf der Tanzfläche

Marie, Edith, Nina, Heida und eine weitere Tänzerin, die nicht mehr Teil des Projekts ist, haben sich vor einem Jahr schon für eine Preproject Recherche getroffen. Deshalb gibt es schon Ideen und körperliche Qualitäten, die Marie nun auch mit den Neuen (Sarah, Ken und mir) ausprobieren will. Ich bin zwar Maries choreografische Assistentin, aber wir haben beschlossen, dass es sinnvoll wäre, wenn ich bei den Proben so mitmache, als wäre ich eine Tänzerin, damit ich im Notfall für jemanden einspringen kann, damit Marie zuschauen kann, aber trotzdem sechs Körper auf der Bühne sind, und damit ich genau weiß wie sich die Bewegungen anfühlen und so besser Kritik geben kann, wenn ich dann von Außen zuschaue.

In den nächsten Tagen beginnen wir immer mit einem Check In, dann folgt das Warm Up Ritual und dann beginnen die Proben: wir reden weiterhin viel über die Themen, probieren verschiedene Qualitäten aus und werden dabei immer musikalisch live begleitet von Heida.

Am Ende der zwei Wochen haben wir folgende Qualitäten gefunden: worshipping of the floor, psonging, octopus, polar 3 (free), stairways to heaven, the (pre)after, shifting the room/wall, eyes, pressing practice.

Studio am Meer und der Sprung ins 12 Grad kalte Wasser

In der zweiten Woche proben wir in einem anderen Studio direkt am Meer und nach ganz kurzer Bedenkzeit hüpfen Edith und ich dann jeden Tag nach den Proben ins 12° kalte Meer.

……. to be continued!!!